joerg-ludewig.com

joerg-ludewig.com

Radsport: Steinhagener Saeco-Profi Ludewig hofft auf die Erfüllung eines Traums

Gütersloh. Die erste Etappe im 48'er Schnitt, statt wie in den Vorjahren acht (2000) oder 20 (2001) diesmal 50 Konkurrenten, die "richtig reingetreten haben" - spätestens seit der Tour Down under in Australien weiß Jörg Ludewig, dass die Radsportsaison so hart und intensiv wird wie keine zuvor. Für den Profi vom Team Saeco-Longoni soll es trotzdem das Jahr werden, in dem der Traum von der ersten Teilnahme an der Tour de France wahr wird.

Das von der Teamleitung ausgearbeitete Programm lässt den 26-jährigen aus Steinhagen, der zwecks besserer Vermarktung neuerdings mit der Agentur BMC Entertainment zusammenarbeitet, darauf schließen, dass seine italienische Mannschaft diesmal von den Tour-Organisatoren zugelassen wird. "Im Vorjahr hatten wir nur einen Plan bis zur Tour, diesmal auch darüber hinaus - das sind so die kleinen Hinweise, dass wir wohl dabei sein werden." Und für die Mannschaft, die vom 6. bis 28. Juli die roten Saeco-Trikots in Frankreich bekannter machen soll, ist Ludewig fest nominiert.

Zwar weist ihn die Weltrangliste nur an Position 294 aus, hat er auch nur 159 UCI-Punkte auf dem Konto-doch "für die Wertschätzung im internationalen Radsport zählen andere Kriterien viel mehr". Marcel Wüst zum Beispiel, Manager des ambitionierten Team Coast, hat Kontakte zum in Halle geborenen Allrounder geknüpft, weil er auf der Suche ist nach Fahrern, die, so Ludewig, "bis zum Umfallen kämpfen" und nicht nach jenen, die "bis kurz vorm Umfallen kämpfen und dann noch 18. werden". Seine vorzüglichen Wasserträger-Qualitäten hat Ludewig bereits beim Saisonauftakt in australien einmal mehr bewiesen, als er alles dafüt gab, das vom Teamkollegen Fabio Sacchi getragene Gelbe Trikot zu verteidigen. Vier Tage lang gelangs - dann "wurde unsere Mannschaft vom Team Mapei regelrecht demontiert".

Mit Giro-Sieger Gilberto Simoni als neuem Zugpferd in Saeco-Reihen soll demnächst bei den ersten Rennen in Europa außer "viel Respekt" für Jörg Ludewig auch die ein oder andere Spitzenplatzierung heraus springen. Die katalanische Woche in Spanien, das Criterium International in Frankreich, der Klassiker Paris-Roubaix und die Deutschland-Tour sind die vier Wettbewrbe, die der 1,85m große Mann auf seinem Terminkalender dick unterstrichen hat.

Seine Aussichten, einen weiteren Schritt nach vorn zu machen, bezeichnet Jörg Ludewig als gut. Denn schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich "die Qualen eines Trainigslagers mit Jörg Jaksche gelohnt haben". Mit Jaksches Unterstützung - "Der isst morgens drei Reiskörner, mittags zwei und abends gar keins mehr" - hat Ludewig sein Gewicht auf Gebirgs-taugliche 74 Kilogramm reduziert, die "Basis passt" für Erfolge bei Eintages- und Etappen-Rennen.

"In meinem Alter kommt so langsam Zeit, dass man auch mal ne Mark verdienen muss", sinniert Jörg Ludewig, der sich deshalb zum Ziel gesetzt hat, " so gut zu fahren, dass ein sicherer Zwei-Jahres-Vertrag dabei herausspringt." Möglicherweise bei einem deutschen Team, genau so gern aber auch bei Saeco-Longoni, denn: "Es passt zurzeit alles. Da macht sich bezahlt, dass ich mittlerweile so viel Italienisch gelernt habe, dass ich über Witze mitlachen kann."

Neue Westfälische

Preis für nächste Generation

Radsport: Ludewig-Team verteidigt Gelbes Trikot

Steinhagen/ Kreis Gütersloh. Derweil Radprofi Jörg Ludewig mit seinem Team Saeco in Australien in der Erfolgsspur rollt, läuft in der Heimat die unter seiner Patenschaft betriebene Nachwuchsförderung. Der Radsport-Jugendförderverein OWL überreichte jetzt 20 hochwertige Anzani-Rennrahmen (Gesamtwert gut 6000 Euro) für die außergewöhnlichen Erfolge der Jugendmannschaft des RSC Sturmvogel Gütersloh.

Nach dem Vorbild von Jan Ullrich und Udo Bölts hat Jörg Ludewig in seinem Heimatbezirk die Patenschaft zur Unterstützung des Radsportnachwuchses übernommen. Am erfolgreichsten eiferten ihm vergangene Saison die Gütersloher Sturmvögel nach. Viele erste Plätze und Platzierungen unter den ersten Fünf gipfelten in zwei herausragenden Siegen: dem NRW-Meistertitel von David Dudek und dem Westfalenmeister-Titel von Gastfahrer David Volke (Brackwede).

Jörg Ludewig selbst musste bei der Tour Down Under gestern wieder sehr viel Teamarbeit an der Spitze des Feldes leisten, um das Gelbe Trikot des Gesamtführenden für seinen Kapitän Fabio Sacchi zu retten. Erst nach fast 90 Kilometer Alleinfahrt mit zeitweise mehr als vier Minuten Vorsprung hatte der Saeco-Express den ausgerissenen Australier David Pell gestellt. Den Massensprint des geschlossenen Feldes gewann der australische Meister Robbie McEwen vor Danilo Hondo (Team Telekom). Heute folgt die Königsetappe.

Westfalenblatt

Harte Arbeit zählt

Radsport: Ludewigs Tour-Träume

Gütersloh. Eine Erkältung als kurzfristiges Andenken an sein erstes Rennen dieser Saison hat Radprofi Jörg Ludewig von der Tour Down Under aus Australien mitgebracht. Doch das Selbstbewusstsein des 26 Jahre alten Steinhageners hat darunter nicht gelitten. Im dritten Jahr beim italienischen Rennstall Saeco-Longoni Sport interessiert den Blondschopf ohnehin nur ein Datum - der 6. Juli, Starttag der Tour de France. "Dem werde ich alles andere unterordnen", kündigte Ludewig gestern in Gütersloh an.

Die Sache hat aber einen Haken. Ludewig ist zwar für das Tour-Aufgebot seines Arbeitgebers nominiert, doch Saeco ist für das Rennen der Rennen noch gar nicht eingeladen. Die Italiener hoffen nun auf eine von wahrscheinlich sechs Wild Cards, die im Frühjahr vergeben werden. Bis dahin heißt es, sich nicht nur auf der Straße, sondern auch hinter den Kulissen abzustrampeln. Der Steinhagener ist optimistisch: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir mit Weltranglisten-Platzierung 13 und neuen Fahrern wie dem Giro-Sieger Gilberto Simoni und Danilo di Luca nicht eingeladen werden."

Obwohl Ludewig die Zahl seiner Weltranglisten-Punkte im Vorjahr vervierfacht hat und auf Position 274 immerhin 16. deutscher Fahrer ist, hat sich an seiner Rolle bei Saeco auf den ersten Blick nicht viel geändert. Der Kampf-Fahrer ist realistisch: "Meine Aufgabe ist es, Wasserträger-Arbeiten zu erfüllen. Ich habe eben nicht das Potenzial wie ein Jan Ullrich." Doch der Respekt im Team, in dem es nach dem Weggang des exzentrischen Sprinters Mario Cipollini harmonischer zugeht, ist gewachsen. Ludewig: "Ich merke, dass meine Planung mehr berücksichtigt wird."

Auf dem Weg nach Frankreich hat sich der 1,85 m große Ostwestfale mit der Katalanischen Woche (25. bis 29. März), dem Criterium International (30./31. März), dem Klassiker Paris-Roubaix (14. April) und der Deutschland-Tour (3. bis 8. Juni) weitere Zwischenetappen geplant, bei denen er allzu gern auch mal selbst Sekt nippen möchte. Dafür hat er im Winter hart gearbeitet und weitere drei Kilo abgespeckt. Diese Schinderei soll sich Ende des Jahres auszahlen. Schließlich läuft sein Vertrag in Italien wieder aus. Ludewig wird deutlich: "Ich bin 26 und muss auch ans Verdienen denken. Am Ende der Saison sollte für mich ein sicherer Zweijahresvertrag herauskommen." Das könnte mit einer Rückkehr nach Deutschland verbunden sein. Er weiß, dass sein Werdegang vom neuen Coast-Teammanager Marcel Wüst aufmerksam verfolgt wird. "Die Chance, für Coast zu fahren ist da - wenn die Ergebnisse stimmen." Um sich darauf zu konzentrieren, lässt sich der Radprofi nun von Ole Ternes von der Bielefelder BMC-Entertainment beraten und unterstützen.

Eines der ersten gemeinsamen Projekte ist eine eigene Homepage, die Mitte Februar ins Netz gestellt werden soll. Ludewig: "Wenn man vorne mitfahren will, kann man nicht nur drei Stunden am Tag Fahrrad fahren. Dann muss einfach alles passen. Jetzt liegt es an mir: Aber wenn ich nicht schnell fahre, gibt es keine Ausreden mehr."

Neue Westfälische

"Pellwurst" hat sich bei den Profis duchgebissen

Jörg Ludewig gab am KGH Einblicke in die faszinierende Welt des Radsports

Halle/Steinhagen. Die knallrote Rennmaschine war natürlich der Hingucker, denn für das Profigerät muss man immerhin so zwischen 8.000 und 11.000 Mark auf den Tisch legen. "Die ist so hervorragend konstruiert, dass ich gar nicht mehr weiß, was die Firma in der kommenden Saison noch verbessern will", ist der 25jährige Steinhagener Jörg Ludewig mit seinem Material hoch zufrieden. Wer schon immer einmal einen Einblick hinter die Kulissen des Profiradsports wagen wollte, fand jetzt im Kreisgymnasium Gelegenheit dazu. Auf Einladung des RC Teuto war der Radprofi Jörg Ludewig zu einer Fragerunde in seine alte Schule, die er 1995 als Abiturient verlassen hatte, zurückgekehrt und zog eine Bilanz seiner ersten Saison im harten Profigeschäft.

Bis er beim italienischen Saeco-Rennstall unterschrieb, hatte er den Radsport schon fast an den Nagel gehängt, zumal ihn das Pfeifersche Drüsenfieber weit zurückwarf und er zudem unter Gewichtsproblemen litt. Bei einem Anstieg auf der Tour de l´Avenir wurde er (damals 89 Kilo schwer) von einem Späher sogar als "Pellwurst" bezeichnet, die "im Radsport nichts zu suchen hat".  Doch Ludewig hat sich durchgebissen, auf 70 Kilo abgespeckt und auch anfängliche Sprachprobleme im italienischen Team überwunden.

In erster Linie waren die Zuhörer ins Kreisgymnasium gekommen, um sich als Hobbyfahrer Tipps zur eigenen Formsteigerung abzuholen. "Wie erziele ich die besten Trainingsergebnisse?" richteten sich die Freizeitsportler an den Experten. "Die beste Form erreicht man, wenn man anstatt einmal im Monat bis zur Leistungsgrenze in die Pedalen tritt, regelmäßig und dafür in lockerer Gangart fährt", lautet der Ratschlag des Profis, der sich auch zu anderen Themen wie der medizinischen Betreuung und der reichhaltigen Ernährung im Leistungssport äußerte. Außerdem war aus dem "Nähkästchen" des Steinhageners Wissenswertes über sogenannte Fernsehattacken (Ausreißversuche ohne echte Chance, nur zum Präsentieren des Sponsors im TV), Windschattenfahren, die Rollenverteilung im Team oder andere taktische Finten zu erfahren. "Für einen in der Spitzengruppe liegenden Fahrer ist es unerträglich vom Teamleiter über Funk zurückbeordert zu werden, um eine Kollegen wieder ans Feld heranzufahren".

Natürlich gab Ludewig auch über seine Ziele für das nächste Jahr Auskunft: "Von meinem verantwortlichen Salutini bin ich bis jetzt für die ersten Einsätze beim Giro d´Italia und auch bei der Tour de France (als Sprinthelfer von Sprint-Superstar Mario Cippolini) eingeplant." Bis es zu diesen Saisonhöhepunkten kommt, sind allerdings noch viele Trainingskilometer zu bewältigen. Das erste Rennen wird auch 2001 für ihn wieder die Tour down Under rund um den Australischen Kontinent sein. Dort strebt er eine Wiederholung des guten 15. Ranges in der Gesamtwertung aus der Vorsaison aber nicht an: "Man darf sich nicht schon zu einem frühen Zeitpunkt verausgaben- diese Rennen muss man nutzen, um seine Form aufzubauen. Nur so kann man die lange Saison überstehen."

Ob das dem Steinhagener wieder so gut gelingt, wie in diesem Jahr, ist schwer zu sagen. Für ihn bleibt in näherer Zukunft vordergründig "von Verletzungen verschont zu bleiben". Am Ende waren sich alle Zuhörer einig, dass sie an diesem Abend jede Menge Wissenswertes über den Radsport erfahren und die fast drei Stunden nicht umsonst investiert haben.